wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

28.07.2014

Glatt&Verkehrt 2014: mein Rückblick

Das Poesiealbum Musik

Von Verspannungen bis zur emotionalen Berührung


© Sascha Osaka
Ich war Newbie bei Glatt&Verkehrt. Dabei hat das Festival, im romantischen Hof der Winzer Krems platziert, schon fast zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Immer fand ich eine gute Ausrede, hatte dann kein Ticket für einen ausverkauften Festivaltag oder urlaubte am Strand. Aber dieses Jahr suchte ich mir gleich zwei Tage aus, an denen ich zwischen Weinbergen und Stadt, zwischen Himmel und Erde, Musik lauschen konnte, die ich so noch nie gehört hatte.

Bei Glatt&Verkehrt werden die Strickliesln und -hänse von euch denken: da geht's eindeutig um die schönste Winter-Sache der Welt, das Stricken! Keineswegs, obwohl das Festival mit seinem witzigen sowie einprägsamen Namen auf die Tätigkeit anspielt, die wir den Omas dieser Welt zuschreiben. Wir hören Glattes und wir hören Verkehrtes. Wir hören Eckiges und Kantiges, aber auch Weiches und Flauschiges. Das Festival lädt Künstlerinnen und Künstler ein, die mit ihrer Musik querdenken und aufreiben, die Ungehörtes hörbar machen und an die Grenzen des Publikums gehen.

Für mich persönlich stellte sich der Einstieg in die Materie Musik als Poesie als ein schwieriger und langatmiger heraus. Fasziniert vom Können des Autodidakten Shazad Ismaily und dem fast menschengroßen Basssaxophon von Colin Stetson, brauchte ich fast eine dreißigminütige Eingewöhnungsphase, um fassen zu können was vor sich ging. Töne, Geräusche, Klang und vermeintlich unzusammenhängende Melodien verdichteten die beiden Musiker aus den USA zu einer Musikskulptur. Während dieser Minuten, in denen ich versuchte zu verstehen, was die beiden hörbar machten, verspannte sich mein Körper. Die restliche Zeit des Konzerts erlebte ich dann das Gegenteil: hatte ich die Aussage dieser kräftigen Improvisation nun verstanden? Konnte ich nun die Augen geschlossen halten, um die Sprache von Stetson und Ismaily zu inhalieren?

© Sascha Osaka
Ganz anders erging mir das Zuhören bei Dora Juárez Kiczkovsky und ihrer Band, die sie nicht nur um einen Bass kurzfristig erweitert hatte, sondern auch um ihre Soulsister Sandra Cuevas. Nach dem instrumentenlastigen Teil 1 des Festivaltages stellten Dora und ihre Musiker Texte und vor allem die Stimme als a capella Instrument in den Vordergrund. Helle, aber dennoch feste und oft sehr emotionale Balladen zwischen Orient und Mittelamerika verzauberten mich als Besucherin. Für die sephardische Jüdin stellt sich immer wieder die Frage nach diasporá (griech.: Zerstreuung): woher kommen wir und wohin gehen wir? In Dora Juárez Kiczkovskys Worten sind wir Menschen auf einer Pilgerreise des Lebens, das uns an verschiedene Punkte führt, in denen wir mit anderen in Verbindung treten. Sandra Cuevas löste ihre mexikanische Kollegin nach vier emotionalen Liedern ab, da diese, wie sie uns Zuhörern erklärte, ihre Seelenschwester sei, der sie vertraute und mit der sie seit mehr als 10 Jahren zusammenarbeitete. Dora Juárez Kiczkovsky verwies in ihrer sehr gefühlsbetonten und so ehrlichen, kurzen Rede auf den Pilger, die Pilgerin in ihrem Bauch, der nun viel Ruhe brauchte. Sandra Cuevas ersetzte ihre Partnerin nicht, sie bereicherte die Bühne durch ihre Präsenz, ihren fabelhaften Gesang und ihre Natur Dinge geschehen zu lassen. Aus dem Träumen wollte ich gar nicht heraus kommen.

© Sascha Osaka

Nach einem stärkenden Salat im lauschigen Bier- und Weingarten des Festivals, nahm ich abermals Platz inmitten von musikbegeisterten Zuhörer und Zuhörerinnen. Die Strottern, ein herzerfrischendes Duo das Texte des Poetikers Peter Ahorner vertont, befugten zum Lachen. Die Uraufführung des Konzerts in Kooperation mit der Wiener Jazzwerkstatt und Lyriker Peter Ahorner selbst traf voll ins Schwarze. Humoristische Einlagen, Wiener Schmäh und der fabelhafte Umgang mit jazzigen Elementen dürften nicht nur mir Freude begleitet haben. Beschwingt, fast beschwipst von Musik und ihren unterschiedlichen Zugangsweisen verließ ich die Sandgrube 13 bergabwärts in die Nacht.

25.07.2014

Zwei Tage nur Musik & Plansch(en)

Sommerfrische im Waldviertel

Palaverama Festival in Gmünd




Zuletzt fand das Festival PALAVERAMA in Gmünd 2010 statt. Vier Jahre später präsentieren die Veranstalter das Groß an österreichischen Musikern und Bands. Persönlich fasziniert mich das Setting nahe an der Grenze in Gmünd, wo ich von Krems das pittoresk-bewaldete Viertel durchquere, vorbei an Gföhl, am Ottensteiner Stausee, durch die Stadt Zwettl und tangiere letztendlich Naturpark Blockheide. Eingebettet in die Landschaft, dort wo Österreich an die tschechische Republik grenzt, wo nichts mehr ist. So wird mir das im südlichen Waldviertel vermittelt. Während in Krems das donaufestival im April und Mai dominiert, fährt Gmünd, am anderen Ende des Waldviertels mit alternativer, österreichischer Musik auf.

Am 1. und 2. August 2014 gibt's also DIE tanzbare Musik aus Österreich:




> HVOB (Visuals by Lichterloh) > Bilderbuch > Ja, Panik > Gerard > Sex Jams > Farewell dear Ghost > Mr. Dero & Klumzy Tung > Etepetete > DAWA > Sco (Puls4 Rock the Island Winner) > Amalea



Besonders freue ich mich auf die Shows von Bilderbuch und Gerard. Nach ihrem intensiven Festivalsommer, in dem Bilderbuch zwischen Deutschland und Österreich hin und her pendeln, bereiten sich die Männer auf eine Wintertour als Beatsteaks-Support vor. Alex Augustin, FM4, ließ zwei Generationen der österreichischen Popstars aufeinandertreffen: Ronnie Rocket & Maurice Ernst, der Sänger von Bilderbuch im (Zwie-)Gespräch.

Und Gerard? Gerald Hoffmann, der sich hinter dem Rapper Gerard versteckt, brachte 2013 sein 4. Album heraus: Blausicht. Erfolg? Ja, bitte. Die Zusammenarbeit des gebürtigen Welsers mit OK Kid verlieh seiner Karriere einen zusätzlichen Sprung - Atme die Stadt und Wenn der Tag abreißt. Sorgen um eine gesunde Zukunft sind Teil seiner sehr intensiven Texte: ich will Fuß fassen, nicht nur Schritt halten. 
Aber natürlich bin ich gespannt auf den Freitags-Headliner Thees Uhlmann & Band. Der haut mich nach wie vor mit seinem Rückwärtsvideo von "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" um. Letztes Jahr konnte ich sein Konzert im St. Pöltner Frequency Areal verfolgen, heuer im Sommerfrische-Rahmen in Gmünd.

Last, but not least, Shantel & Bukowina Club Orkestar spielen am Samstag um 22.00 Uhr auf - Diskopartizani!


VORVERKAUFSSTELLEN
Tickets bei allen Raiffeisenbanken, Ermäßigung für Raiffeisenclub Mitglieder
print@home Tickets bei ntry.at/palaverama14
Tickets bei diversen Vorverkäufern, nähere Infos auf www.palaverama.at 

TICKETPREISE
eVVK: €37,00 (für Raiffeisenclub Mitglieder) 
VVK: €39,00 
AK: lt. Aushang 

EINLASS & BEGINNZEITEN: 
Freitag 1. August 2014 
Einlass Campingplatz, 12:00 Uhr 
Einlass Kerngelände, 18:00 Uhr 
Beginn Programm, 19:00 Uhr 

Samstag 2. August 2014 
Einlass Kerngelände, 9:00 Uhr 
Beginn Palaverama Streetjam (Streetball-Event), 9:30 Uhr 
Beginn Programm, 15:30 Uhr 

WEBLINKS: 
www.palaverama.at 
www.facebook.at/palaverama 
https://www.facebook.com/events/1403436499894550/


24.07.2014

Ein Frühstücks-Projekt

Sonntags scheint die Morgensonne

Wagramer Luft schnuppern & genießen


© diekremserin
Wie ich in meine Funktion geraten bin, sonntags in mein früheres Zuhause auf den Wagram zu fahren und dort Frühstück zu machen, weiß ich genau: inspiriert und motiviert durch den Idealismus einer meiner besten Freundinnen, sagte ich zu. 

Frühstück, jeden Sonntagmorgen von 8.00 Uhr bis 11.30 Uhr.

Großriedenthal, ein kleiner Raum - eine ehemalige Fleischbank - steht uns zur Verfügung. 
10 bis 15 Personen bewirten wir mit regionalen Spezialitäten vom Joghurt mit frischen Früchten, über frisch gebackenen Kuchen, Käse vom Bauern ums Eck, Gemüse aus dem eigenen Garten, Säften, die wie frisch gepresst schmecken und Köstlichkeiten, die von Woche zu Woche variieren. 

Das Konzept Morgensonne im Lösshof hat Judith Mehofer für das Gasthaus LÖSSHOF entworfen und umgesetzt. Wir sitzen auf alten Kinosesseln oder auf einem ehemaligen Beichtstuhl und schauen beim Anrichten der vier unterschiedlichen Frühstücksangebote zu. Aufstehen, Genießen, Schlemmen,  Fit. Meist steht nur eine von uns hinterm Tresen, kocht Eier, bedient die Espresso-Maschine und schneidet Obst und Gemüse. Bezahlt wird nach Geschmack: pay as you wish. Aber keine Sorge, Preisvorstellungen stehen am Menü bereit. Jeden Samstag holt Judith frisches Gemüse vom Markt, lässt sich mit Joghurts beliefern und kauft Fairgehandeltes im Ort, denn Kaffee, Tee und Kakao sind nunmal nicht regional, aber aus keinem Frühstück wegzudenken. 

In Großriedenthal lässt sich's zusätzlich gut wandern und Rad fahren. Neben Weinbergen und Lössböden überblickt man das Tullnerfeld, schaut bis zum Stift Göttweig oder auf die niederösterreichischen Voralpen. 
© Judith Mehofer

Da die Plätze in der Morgensonne begrenzt sind, bittet Judith um Reservierung. 

jeden Sonntag 8.00 - 11.30 Uhr
Großriedenthal, Hauptstraße 18
Reservierung unter info@loesshof.at oder  0664 8619119 (Eva Mehofer)


11.07.2014

Eine, die immer das Neue sucht

Experiment und Zufall

Martha Jungwirth in der Kunsthalle Krems


Martha Jungwirth
O.T., aus der Serie "Spittelauer Lände", 1993
© Bildrecht, Wien, 2014
Foto: Franz Schachinger

Martha Jungwirth, Jennersdorf, 2011
© Elfie Semotan 

Hans-Peter Wipplinger, Direktor der Kunsthalle Krems und Kurator der Retrospektive Martha Jungwirths, beschreibt die österreichische Künstlerin so: "(Sie ist) eine, die immer das Neue und immer das Experiment sucht, aber trotzdem Kontinuität zeigt." 

Martha Jungwirth
Portrait A.S., 1988/89
© Bildrecht, Wien, 2014
Foto: Franz Helmreich
Die neue Ausstellung "Martha Jungwirth. Retrospektive" umfasst ihr Wirken in der österreichischen Kunstszene seit den 1960er Jahren, als sie ganz jung, mit Preisen ausgestattet, den künstlerischen Weg einschlug. Martha Jungwirth, 1940 geboren, wirkt nach wie vor kritisch, frisch und ehrlich. Wenn sie vor einem steht, weiß man, in dieser Frau sprudelt es. Genau wie ihre Bilder, die sich chronologisch von ihren sehr frühen, bewegten Stillleben und Stadtszenerien, sprüht sie vor fast kindlicher Dynamik.

Neben der Bewegtheit der Sujets - neben Portraits von ihrem Mann und Freunden auch Eindrücke von Reisen - spielen Farben eine Hauptrolle. Das variable Material allgemein, hat mich besonders in seinen Bann gezogen. Aquarell- und Ölfarbe, Tusche, Mischtechniken. Pastos und stark gewässert. Feingliedrig und großspurig. Martha Jungwirth lässt in ihren Zyklen nichts aus. Dennoch bricht sie nicht völlig, sondern entwickelt andauernd weiter. Zufälliges spielt mit. Sie erzählt, dass sie nichts schönen möchte, die Farbe soll fließen - horizontal, vertikal, ganz egal.




Martha Jungwirth
O.T., aus der Serie "Bali", 1995
Privatsammlung, Wien
© Bildrecht, Wien, 2014
Foto: Franz Schachinger

beim malen nicht denken. Martha Jungwirth


Martha Jungwirth. Retrospektive wird morgen, 12. Juli um 18.00 Uhr in der Kunsthalle Krems eröffnet. Anschließend lädt das Ausstellungshaus zum sommerlichen Ausklang ein. 
Ein spannendes Interview mit der Künstlerin hat der Kerber Verlag online publiziert. 

10.07.2014

Nasen-Diskussion

Über diese Wachauer Nase, die am 12. Juli von 15.00 - 17.00 Uhr an der Fährenanlegestelle in St. Lorenz eröffnet wird, diskutiert man im politischen Kreisen. In meiner Ankündigung lobte ich den Mut und die Neugierde der Wachauer eine zeitgenössische, nicht ganz unkritische Künstlergruppe ins Kulturerbe eine riesengroße Nase zu setzen. Dass die Skulptur bei den BewohnerInnen selbst auf Unverständnis trifft, darf angenommen werden. Immerhin schreiben gelitin in ihrer Einladung zur Eröffnung folgende Worte, um positiv, verwunderte und negativ, erboste Wachauer auf die neue Skulptur vorzubereiten:

© gelitin
"Die Wachauer Nase ist eine schöne Nase. Sie passt zu den Menschen, die hier leben, und wird sie älter, passt sie sich den Lebensumständen an. Die Nase ist ganz schön groß, stolz und atmet Schlamm. Sie ruht flach und atmet flach am Uferrand, denn die Person darunter ist bis auf die Nase eingegraben. Manchmal, bei Hochwasser, steht ihr das Wasser bis zur Nase, und manchmal füllen sich die Nasenhöhlen sogar. ... Im Sommer, wenn es heiß ist und sie noch nicht ganz ausgetrocknet, riecht ihr Atem nach Sumpfwasser. Kleine Fliegen surren durch die Nasenlöcher hinein und hinaus. Wenn die Nase die reifenden Weintrauben an den umliegenden Hängen riecht, würde sie sich am liebsten über das Tal beugen, um den feinen Geruch völlig auszuschöpfen. ... Wenn man schwindelfrei ist, kann man den First hinaufklettern und wie ein großer Käfer auf ihrer Spitze sitzen und den Blick über die Donau gleiten lassen". (gelitin)

Nun, wenn ich der zeitgenössischen Kunst mit etwas Humor und einem Augenzwinkern entgegen schaue, entlocke ich mit dieser Beschreibung und dem Einladungscover (siehe oben) der eingefleischtesten Gegnerin ein wissendes Lächeln. Kunst im öffentlichen Raum soll anregen nachzudenken, soll aufregen, soll aber auch klären und vor allem Spaß machen. In der niederösterreichischen FPÖ regt sich leiser Widerstand, der medial immer lauter wird. Michael Matzenberger berichtet im Standard vom gefürchteten "Werteverfall" des freiheitlichen Kultursprechers Udo Landbauer. Er stellte sogar einen Antrag an den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), um Aufklärung, ob finanzielle Mittel des Landes in dieses Künstlerprojekt ausgegeben wurden. Die Künstlergruppe gelitin ging aus dem Wettbewerb 2012 - einer Kooperation von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich und der regionalen Initiative Wachau 2010plus - als eindeutiger Sieger hervor. Somit erklärt sich auch die Antwort auf Landbauers Frage, die auf Landesebene schon beantwortet wurde: das Geld kommt aus "unterschiedlichen Töpfen". (siehe auch hier)
© diekremserin

Eine dauerhafte Installation von gelitin in der Wachau zu verankern sehe ich als positives Beispiel für die niederösterreichische Offenheit. Erst vor wenigen Jahren widmete die Kunsthalle Krems der Künstlergruppe eine große Ausstellung, im 21er Haus des Wiener Belvederes waren gelitin letztes Jahr aktiv. Dass zeitgenössische Skulpturen auf Widerstand stoßen, zeigt die 2004 entstandene und 2012 installierte Skulptur "Hain" von Franz West (1947 - 2012) auf erhebliches Unverständnis. Als "scheußlich" bezeichnet, fühlen sich Touristen sowie BewohnerInnen angegriffen. Mittlerweile, nach nur zwei Jahren, merke ich wenig von diesem Widerstand gegen das rosa Zick-Zack am Kreisverkehr, denn die KremserInnen leben und lachen mit der Skulptur. Die Kunsthalle Krems äußerte sich 2012 folgendermaßen: „Franz West hat ein beispielloses Werk voller Humor, Innovationsgeist und philosophischer Referenzen geschaffen, das den Betrachter (...) zum Reflektieren anregt“. (tips.at)

Ich freue mich schon darauf, die Wachauer Nase zu erklimmen, nach Weissenkirchen zu schauen, selbst den Duft der Marillen einzuatmen, die Donauluft zu spüren und die fragenden Menschen für die Nase zu begeistern: was regt uns mehr an, als das was uns aufregt?

07.07.2014

9 Fotografinnen auf der Spur von Inge Morath

Faszination Fotografie

Wo die Donau Rätsel aufgibt


© Inge Morath Foundation
Road-Trips verbinde ich mit einem ganz besonderen Lebensgefühl: mit Freiheit, zum Beispiel. Diese Freiheit, die Grenzen niederreißt, die Menschen verbindet und die Gemeinsamkeiten findet ohne zu bewerten. Neun Frauen unterschiedlicher Herkünfte machten sich vor wenigen Tagen auf ihre gemeinsame Geschichte über einen Roadtrip entlang der Donau zu schreiben. Die Fotografinnen aus Großbritannien, Spanien, Mexiko, Australien und den USA leben im Sommer 2014 im "Inge Morath Truck". Alle sind Preisträgerinnen des renommierten Inge Morath Fotografie Preises, der jährlich durch die Mitglieder der Magnum Photo Agentur verliehen wird.

Inge Morath (1923 - 2002), eine Grazer Fotografin, wird zu den Pionierinnen in der Fotografie gezählt. Als Assistentin von Henri-Cartier Bresson oder an der Seite von Robert Capa sowie völlig auf sich allein gestellt, reiste die österreichische Fotografin mit ihrer Kamera durch die Weltgeschichte und knipste spannende Reportagen der Realität des 20. Jahrhunderts.

"Danube revisited" 

Olivia Arthur, Emily Schiffer, Lurdes Basolí, Claire Martin, Claudia Guadarrama, Ami Vitale, Jessica Dimmock, Kathryn Cook und Mimi Chakarova touren mit dem Truck von der Quelle der Donau im Schwarzwald über ihre kurvigen Umwege durch Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien bis Rumänien, wo die Donau ins Schwarze Meer mündet. Ihre Fotografien beobachten, stellen fest, nehmen auf und berichten von der spannenden Reise, die den Fotografinnen unterschiedliche Länder und ihre Einwohner näher bringt.

© Danube Revisited

Der Truck dient nicht nur als Hotel, als Schlaf-, Ess-, Wohn- und Plauderstelle, sondern regt zum Diskurs über moderne Fotografie an. Das mobile Zimmer steht den Menschen zur Verfügung, die sich der Reisetätigkeit der 9 Frauen widmen möchten und die nachvollziehen wollen, was sie erleben und auf welche Menschen sie treffen. Eine Inge-Morath-Wanderausstellung mit Fotografien der Donau von Furtwangen bis Sulina verbirgt sich ebenso hinter den Türen des Trucks, wie die Möglichkeit mit den Fotografinnen in Kontakt zu kommen.

Krems liegt an der Donau und nimmt den Inge-Morath-Truck für eine kurze Zeit auf. Am 15. und 16. Juli machen die 9 Fotografinnen an der Schiffstation in Krems Halt.

© Inge Morath Foundation 




Kaffeehaus-Gespräche III

Die Geschichte der mutigen Linzerin

Italienisches Feeling in Krems


Elegant gepunktetes Etuikleid. Sonnenbrille. Veggie-Pita. Waka-Waka.
Monika Seyrl, Inhaberin von Kre:Art stellte sich im September 2013 auf ihre eigenen Füße. Die Selbstständigkeit hat sie seitdem fest im Griff. Getroffen habe ich die quirlige Kreative zu einem rührenden Gespräch über ihre Arbeit, ihren Werdegang und ihren Zugang zum Leben und Arbeiten mit Kindern.

© Kre:ART 2014


Nachdem die gebürtige Linzerin und langjährige Kindergartenpädagogin in Wien Fuß gefasst hatte und den dortigen WU-Kindergarten leitete, wurde sie mit der Aufgabe betreut den neuen Kindergarten am WU Campus aufzubauen. Mittlerweile in Krems wohnend, beschloss Monika Seyrl dieser Entscheidung Zeit zu geben. In ihrem Leben gewann neben der Leitungsstelle im Kindergarten die Reggio-Pädagogik aus Reggio Emila in Italien an Bedeutung und sie beschäftigte sich intensiv mit der italienischen Lehre. Erst sah die Pädagogin diese Beschäftigung als zweites Standbein, als Ausgleich an, aber im September 2013 fällte sie dann die endgültige Entscheidung: "Ich wollte jahrelang nicht auf diese Sicherheiten verzichten, wie monatliches Gehalt, geregelte Sozialversicherung, aber ich entschied mich dennoch für die Selbstständigkeit als Reggio-Pädagogin. Und kurz nach der Entscheidung traf mich so etwas wie ein Pensionsschock..." Monika Seyrl erklärt sich dieses Gefühl der Lücke die entstand, nachdem sie aufhörte ständig (für andere) zu arbeiten.

© Kre:ART 2014
Die Inhaberin von Kre:Art, wo sie kreative Workshops für Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene anbietet, stellt einen Raum für Kreativität zur Verfügung und bietet gleichzeitig den einzigen Shop für Upcycling-Produkte aus unterschiedlichen Werkstätten an. In Krems erreicht sie damit ein ganz besonderes Publikum: neben den großen Museen, der Kunsthalle Krems und dem Karikaturmuseum Krems, findet sie die Architektur als beachtenswert. In einem Projekt mit 260 Schülerinnen und Schülern, das noch bis Ende August in ihrem Ausstellungsraum zu sehen sein wird, werfen die Kids mit der Linse der Kamera Blicke auf Fenster und Türen in Krems, besprechen ihre Bilder und bearbeiten das Thema "Fenster und Türen" über unterschiedlichste Fragestellungen. "Ich möchte allen von uns klar machen, dass Schule draußen stattfinden kann. Die Stadt ist immerhin das zuhause der Kinder, die durch die Stadtspaziergänge mit der Kamera einen neuen Blick darauf werfen konnten. Die Bürgerinnen und Bürger der Gegenwart bereichern aber auch unser Erwachsenen-Leben. Es liegt an uns Gespräche mit Kindern zu führen, zuzuhören und mit den Kindern zu schauen und zu beobachten.", beschreibt Monika Seyrl ihren Zugang zum prozessualen Lernen. Im Nebensatz erwähnt die begeisterte Pädagogin, dass sogar im Pasticcio von Ö1 von der "Stadt der Kinder" gesprochen wurde, als das Projekt vorgestellt wurde.

Neben den Kreativworkshops und dem Shop legt Monika Seyrl Wert darauf Künstlerinnen und Künstlern Projektions- und Ausstellungsfläche zu geben. Auch dabei spezialisiert sie sich auf Upcycling-Kunst, die mit Materialien kreiert wurde, die von anderen weggeworfen wurden. Nachhaltigkeit sieht die Wahl-Kremserin als großen und sehr wichtigen Themenblock in ihrem Schaffen: "Gemeinsam mit anderen Geschäften und Lokalen in Krems, habe ich den Verein Fair mit Flair gegründet. Dabei wollen wir klar machen, dass wir alle Teil von einem Prozess sind und gemeinsam handeln. Wir plädieren für ein Bewusstsein zum nachhaltigen Leben und möchten Krems mit neuen Blickpunkten bereichern. Immerhin befindet sich an der Uni in Krems ein Lehrgang zum Nachhaltigkeits- und Innovationsmanagement..."

Der Pensionsschock von Monika Seyrl ist eindeutig vorüber. Sie steckt in unterschiedlichen Projekten, bearbeitet nach und lehnt sich dann doch ab und zu zurück, um ihre Zeit zu genießen. Immerhin gehört auch Ruhe zur Nachhaltigkeit des Lebens.



02.07.2014

Der Halb-Marathon

Freund und Feind

Deadline: 14. September 2014




Die Entscheidung ist gefällt. Das Formular ausgefüllt und abgeschickt. Der Beitrag bezahlt. Das Team diekremserin startet am 14. September beim Halbmarathon der Wachau. Einundzwanzig-Komma-Eins Kilometer. Seit meiner Anmeldung frage ich mich, ob ich das auch wirklich schaffe. In Spitz startet mein Lauf Donau abwärts (psychologisch sehr positiv) Richtung Weissenkirchen, dann durch Dürnstein und Loiben bis nach Krems. Wahrscheinlich werde ich dann schwer angeschlagen im Kremser Stadtpark umfallen und liegenbleiben (ich bitte meine Notrufnummer 1 mich dort aufzuklauben und nachhause zu bringen).


Das Spektakel gehört in der Sportwelt sowie in der Wachau längst zum jährlichen Fixpunkt. Straßen werden gesperrt für Abertausende Menschen, die sich die Laufschuhe anziehen und schwitzend die schönste Kulturlandschaft in Österreich laufend genießen.

© diekremserin
Leider hat nicht jeder so ein Glück wie die Front Runner der Erste Bank Sparkasse, die mit einem Lauf-Coach unterstützt wichtige Messungen an ihrem Körper vornehmen und richtig geschult werden. Wo gibt es Defizite am Rennkörper? Was können Bernadette und Wolfgang beheben und langfristig verbessern? In ihrem Blog Ich will laufen stellen die Front Runner sowie der Coach Michael Buchleitner ihre Vorbereitung auf das Rennen gegen sich selbst uns allen zur Verfügung. Da geht's um Laktat-Messungen, um die richtige Laufgeschwindigkeit und um alle möglichen Goodies auf die ich Halbmarathon-Anfängerin nur so lechze.

Meinen ersten großen Erfolg feierte ich bei den ersten 10 Kilometern, die ich hinter mich brachte. Keine Sorge, es ging mir gut. Und es geht mir auch nach den zweiten 10 Kilometern mehr als gut. Ich freue mich sogar auf die nächste Donaubrückenrunde. Der Blick auf Stein und Krems spornt mich ordentlich an...

Am besten ziehe ich mir die Laufschuhe gleich wieder an und lege los. Ich weiß aber, dass die Ruhepausen essentiell sind... Doch lieber eine Ruhepause?

01.07.2014

Auf der Suche nach der Wachauer Nase

Wonach riecht die Wachau?

Gelitin und Nasenlöcher

Begonnen hat die Suche der Künstlergruppe "gelitin" im Schloss Rossatz im Oktober 2012. Im Hof wurden Nasen aller Art vermessen, eingegipst und fotografiert, begutachtet. Ab Samstag, 12. Juli 2014 weist eine riesige Nase nun ganz offiziell in die Wachau, in die Donau, nach Weissenkirchen. Sie ist begehbar, kletterbar, schön anzuschauen und birgt dennoch genug Fläche zur Aufregung. 

© Gelitin

"Was soll dieses Ungetüm an der Anlegestelle?" "Können die nicht was besseres dorthin stellen?" "Ich verstehe nicht, was diese Nase bedeuten soll." 

Eine Nase trifft auf Unverständnis? Nicht ganz. Denn die wunderbare Einladung, die heute in der Post auftauchte, beschreibt wunderschön, was diese Nase für eine Bedeutung für die Region hat. Kunst im öffentlichen Raum darf und muss aufregen. An jedem von uns sitzt die Nase mitten im Gesicht. Sie gibt Ausschlag darüber wie wir Geruch wahrnehmen. Sie lässt uns niesen, die Sonne kitzelt und bei Verkühlungen ist sie unangenehm verstopft. Wir unterscheiden zwischen Riechen und Stinken, wir nehmen Duft, Aroma und Geruch wahr. Rümpfen wir die Nase, bemängeln wir etwas. Lassen wir sie wackeln, spielen wir die Serie "Die wunderbare Jeanny" nach. Nasen haben Höcker, Hacken, große oder kleine Nasenflügel. Das Sinnesorgan ist essentiell für den Fluss des Atems, der uns Menschen am Leben hält.

© gelitin


Die sogenannte Wachauer Nase sei so groß, dass man aufrecht durch die Nasenlöcher schreiten könne. Sie befindet sich im Hochwassergebiet und sei entsprechend im Boden verankert worden. Nasenhaare werde das Kunstwerk nach einigen Jahren in Form von kleinen Gräsern und Büschen, bedingt durch Wetter- und Umwelteinflüsse, bekommen. (diepresse.com)

Welche Gerüche birgt die Wachau?:  Marillen? Wein? Donauluft?

Samstag, 12. Juli 2014 

15.00 - 17.00 Uhr
Un 18.00 Uhr werden die Ausstellungen Martha Jungwirth/Gregor Schmoll/Der andalusische Hund in der Kunsthalle eröffnet.

Ein Shuttle-Bus fährt zwischen Wien und St. Lorenz.
Abfahrt Wien, Universität, Grillparzerstr. / Ecke Rathauspark: 13.15 Uhr
Rückfahrt St. Lorenz über Krems: 17.30 Uhr
Kosten: 5,-
Bis 10. Juli anmelden: +43 (0)2742 9005 16273

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