wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

30.05.2014

kitchen (wurst) stories III

Immer Lust auf Wurst

Grill-bares Gut in Krems 



Keine Sorge, es geht nicht um die neuerdings berühmteste Wurst unseres kleinen Landes. Sondern um Wurst-Spezialisten was das Gaumen-Kulinarikum betrifft ...

In Krems wende ich mich da ungeschaut an DEN Kultwürstl-Stand, den Rudi. Neben den alten Klassikern becirct Rudi den Wurst-lüsternen Besucher mit dem Charme der Gasse, des Gässchens. Denn in der beschaulichen Innenstadtgasse entkomme ich gerne dem Fluss der geschäftigen Landstraße! Mein Lieblingswürstl? Durchkosten und selbst entscheiden!
Rudis Würstlstand, Stierbargasse 2, 3500 Krems

Seit neuestem bieten die Veit-Jungs auch mittags eine schöne Palette an kulinarischen Schmankerln an. Gut so. Denn wer ab 11 Uhr hungrig wird und der Magen nach einem Käsekrainer schreit, dem hilft die (V)Eitrige mit Senf und Kren gegen das alltägliche Hungergefühl. Gesunde Varianten der Eitrigen gibt's ja noch nicht, aber im Veit werden täglich Griechischer Bauernsalat angeboten für die, die Kalorien zählen (aber ob da das Seidl vorteilig ist?).   
Veit Drinx & Snax, Pfarrplatz 15, 3500 Krems, veitbar.at

Und wer noch immer nicht genug hat von der gegrillten Wurst, den schicke ich ins Würstleck bei der Wiener Brücke. Herzhaft, würstelige Hausmannskost, gerade das richtige für ein typisch österreichisches Fast-Food. Mittagessen oder abends... warum nicht? Bosna, Bratwurst oder der gute alte Hot Dog ? I can't resist ...
Kremser Würstleck, Untere Landstraße 73, 3500 Krems 

Summer in the City

Open Air

Kino, Krems, Kesselhaus


© Kino im Kesselhaus
Bald ist's soweit: das Sommerkino im Kino im Kesselhaus startet in die Outdoor-Saison. Mit einer riesigen Party im Freien - gemeinsam mit den grandiosen Attwenger und das rasante Handyroadmovie "Fluxgigs" - tanzen wir gemeinsam in ein paar kinematographische Wochen. Schon letztes Jahr war ich vom Programm des Sommerkinos begeistert. Was kommt heuer vom 25. Juni bis 19. Juli auf uns zu?  

Meine Top 3 Film-Tipps fürs diesjährige Open-Air-Kino:

1) Vorpremiere der witzigen Country-Komödie aus Kanada "The Grand Seduction" (2. Juli) in der sich die alternde Bevölkerung eines Küstenortes anstrengt einen (Land-)Arzt mit allen Mitteln zu behalten. Mit wirklich allen Mitteln. Allein der Trailer verrät, dass die Einwohner von Tickle Head nichts auslassen, um den Arzt zum Bleiben zu bewegen. Seht selbst:

2) Julie & Julia (6. Juli) ist ein Film, den ich mir wirklich sehr oft ansehen kann. Zwei Gesichter, zwei Lebensgeschichten zweier faszinierender Frauen werden zeitlich unabhängig voneinander vorgestellt und in Verbindung gebracht. Eine märchenhafte Verfilmung zweier Leben, in denen köstlich gekochtes Essen im Vordergrund steht. Als Sahnehäubchen kriegen wir Meryl Streep als Julia Child serviert. Amy Adams brilliert als oft verzweifelte junge Julie Powell, die ihren Weg im Leben erst suchen muss...
Julia Child, Mastering the French Cooking Vol. 1+2
© Barnes & Nobles, 2014
© silentcritics.com
3) Les Beaus Jours (27. Juni) erzählt von einer wunderbar ehrlichen Geschichte einer Dame (Fanny Ardant), die aus ihrem Alltag entflieht und das Leben neu kennenlernt. Mit dieser Neuorientierung aus ihrer Pensions-Fadesse heraus, begegnet sie auch einer neuen Liebe in Gestalt eines jüngeren Mannes (Laurant Lafitte). Verzweiflung, Dramatik und dennoch Bodenhaftigkeit zeichnet "Die schönen Tage" von Marion Vernoux aus. Wieder einmal ein französisches Meisterwerk mit dieser verdammt guten Ehrlichkeit :-)



Oh wie ich mich freue - wenn dann das Wetter auch passt, sitze ich bestimmt mehr als einmal pro Woche mit einem Sommerspritzer vor der großen Kinoleinwand am Campus und vergnüge mich mit poetischem Kino... Ein Traum wird wahr! 

Das komplette Programm ist online bequem zugänglich. Tickets sind am besten unter 02732 90 80 00 zu reservieren! 


29.05.2014

Gewinnspiel für Zeichnungs-Freaks

„Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis Warhol. Die Sammlung Klüser“

Wo die Zeichnung ihren Anfang nimmt...


Frage beantworten und Gewinn abholen:

Wo hat die Sammlung Klüser ihren Sitz?


Taddeo Zuccaro, "Satyr", 16. Jhdt.
© Sammlung Klüser, München, 2014
Foto: Mario Gastinger

Gewinn mit ein bisschen Glück ein Kunsthallen-Package, das 1 x 2 Tickets für die aktuelle Ausstellung der Privatsammlung Klüser in der Kunsthalle Krems und einen herrlichen Katalog inkludiert.

Genauere Infos zur Ausstellung und meine Lieblingsarbeiten daraus habe ich diese Woche schon erläutert...

Der Eintritt gilt auch für die beiden inspirierenden Ausstellungen des jungen Grazer Künstlers Constantin Luser und des theateraffinen Südafrikaners William Kentridge.

Die richtige Lösung bis 1. Juni 2014, 23.59 Uhr per Email an diekremserin@gmail.com Die Gewinner werden am 2. Juni 2014 per Email verständigt. Barablöse ist nicht möglich.

27.05.2014

Zeichnen was das Zeug hält

Zeit zeichnen

Kunstgeschichte, die Freude bereitet


Andy Warhol, Untitled 1953
Sammlung Klüser, München
© 2014 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.
Bildrecht, Wien
Foto: Mario Gastinger
Wer so wie ich als Kunstvermittlerin in der Kunsthalle Krems tätig ist, hat es bei der momentanen Ausstellung „Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo bis Warhol. Die Sammlung Klüser“ nicht ganz einfach gehabt. Lernen, wer wann gelebt hat. Lernen, wer welches Material benutzt. Lernen, wo die 260 Grafiken ihren Platz in den Hallen der Kunst gefunden haben.

Dass der Spaß allerdings beginnt, wenn ich nun mit einer kleinen Gruppe von Menschen durch die Ausstellung spaziere, erklärt sich durch das kollektive Wissen, das sich sammelt, während wir gemeinsam auf bestimmte Werke schauen. Viele Augenpaare sehen nämlich viel mehr als nur meine eigenen. Ob wir da vor Taddeo Zuccaros „Satyr“ stehen und seine „Horrorhand“ analysieren oder uns in den italienischen Landschaften des 17. Jahrhunderts verlieren. Im Vordergrund steht der Dialog miteinander und mit den Bildern, die aus der Sammlung des Ehepaars Klüser als Leihgabe auf uns treffen.

Wieso eigentlich „Zurück in die Zukunft“?

Nach meiner kleinen Erläuterung scheint die Sammlung einen chronologischen Faden zu haben. So stimmt das allerdings nicht ganz. Denn die Klüsers, die durch ihre Galerie in München Künstler wie Joseph Beuys, Enzo Cucchi und Andy Warhol kennen lernten, begannen sie nach und nach zeichnerische Ergüsse jener Persönlichkeiten anzukaufen. Im Grunde liegt der Kern der Sammlung in der zeitgenössischen Kunst. Vor etwa 20 Jahren entschlossen sich Bernd und Verena
Taddeo Zuccaro, Satyr, 16. Jhdt.
© Sammlung Klüser, München, 2014
Foto: Mario Gastinger
Klüser dann sich progressiven Blättern aus vergangenen Zeiten zu widmen. Alte Meister der italienischen Renaissance und des Barocks, niederländische Landschaftsmaler, deutsche Romantiker, französische Experimentalisten: die Liste ist lang und stark durchmischt. Auf große Namen legen die Privatsammler keinen Wert. Wichtig erscheinen ihnen Unmittelbarkeit und Spontanität, die auf dem Blatt durch den jeweiligen Künstler zusammentreffen.

In der Kunsthalle wird uns die Möglichkeit eröffnet jenen Künstlern aus vergangener Zeit und Gegenwart über die Schulter zu blicken und ihre Eindrücke wahrzunehmen und zu beobachten. Wo ergeben sich Parallelen? Wann erscheint uns ein Künstler mit seiner Arbeit besonders modern? Ich habe bemerkt, wenn wir nicht nur miteinander, sondern auch mit einigen ausgewählten Arbeiten in Dialog treten, eröffnen sich neue Sichtweisen auf eine Kunst- und Zeitgeschichte sowie grandiose Ansätze zum experimentellen Arbeiten.

Im Folgenden stelle ich drei Werke der Ausstellung vor, die mich in der letzten Zeit besonders berührt haben:

1) Zwischen Wissenschaft und Poesie: Jorinde Voigt eröffnete mir mit ihrem einzigartigen Zugang zur Kunst eine wunderbare Möglichkeit neu zu denken. Geschafft hat die 1977 geborene Deutsche das durch ihre eigens „komponierten“ Notationen. Was sehen wir auf den Grafiken von Jorinde Voigt? Gezeichnete Bänder aus Pfeilchen in Rot, schwarze Flügel und Schwünge, die Ziffern und Buchstaben verbinden. Eine illusionierte Partitur aus Noten, die wir nicht zuordnen können? Im Grunde, notiert Jorinde Voigt Beobachtungen des Alltags, die sie akribisch in ihre Sprache übersetzt. Reine Poesie, wenn ihr mich fragt.

2) Kugelschreiber en masse: Jan Fabres riesige Arbeit beinhaltet vorwiegend blaue Kugelschreiber-Tinte. Strich um Strich setzt der belgische Künstler gewollt und füllt in vielen Stunden Arbeit die ganze Fläche mit dem Alltagsgegenstand. Auf dem Boden kriechend, arbeitet Fabre die richtige Struktur heraus und vermittelt uns somit ein schraffiertes Feld von Blau. In der Mitte hocken zwei Blatt-Insekten: zumindest ihre Häute. Als Betrachter dringen wir in einen Mikrokosmos ein, der gleichzeitig ein Makrokosmos zu sein scheint. Ich könnte mich stundenlang damit beschäftigen und mich wundern.

3) Eine Frau mit Männernamen: George Sand entwickelt im französischen 19. Jahrhundert die Klecksographie. Erfolgreich als Literatin nimmt sie nicht selten den Pinsel in die Hand und experimentiert mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten, die sich in der Malerei auftun. Winzige Blätter zieren den „blauen“ Raum in der Kunsthalle und zeigen dennoch genau, was George Sand als eine der ersten Künstlerinnen versucht: sie überlässt die Ausbreitung der Farbe auf dem Blatt dem Zufall. Wo ein Fleck, da ein Bild. L’Art pour l’art pour l’art...


Genug von der Theorie? Auf in die Praxis!

Bis 29. Juni ist der Besuch der Ausstellung noch möglich, bevor für die nächste Ausstellung aufgebaut wird.

Lust auf eine Führung bekommen? Jeden Sonn- und Feiertag um 14.00 Uhr findet eine Überblicksführung statt. Für zusätzliche Infos zur Kunstvermittlung bitte hier klicken.

Robert Longo, Strong in Love, 1983
© Sammlung Klüser, München, 2014


26.05.2014

Wir alle haben Wünsche

Der Wünsche-Baum

Wenn ein Fest Wellen schlägt


© diekremserin
Krems unter freiem Himmel hat mir großen Spaß gemacht. Mit dem Event unterstützen wir gemeinsam Kinder in Not von Caritas & Du. Kuchen, Kaffee und Limonaden wurde gemütlich auf Picknickdecken und den fantastisch bunten Sitzsäcken von Afro-Chic verspeist und getrunken. Ganz hinten auf "meiner" Wiese stand ein kleines Bankerl mit Moskitonetz, das am Baum drapiert war. Fäden mit kleinen Zettelchen fielen für jedermann und jederfrau herab. Ein wish tree: was wünscht du dir für Krems? Wo würdest du etwas ändern? Welche kreativen Ideen kommen dir in den Sinn?

Nun habe ich also all diese kleinen Zettelchen vor mir liegen. Viele, viele Menschen, die das Fest besuchten und Krems unter freiem Himmel genossen, haben sich niedergelassen und überlegt, was sie neu und anders machen würden. Einige grandiose Ideen möchte ich euch nicht vorenthalten:

* MEHR AKTIONEN WIE DIESE HEUTE!! Mut zur Nutzung des Stadtparks (Workshops, Konzerte + Amateurauftritte, Afrikanische Feste, Percussion,...)

* Krems an die Donau: mehr Lokale an die Donau, direkten Zugang aus der Stadt zur Donau mit Beachvolleyball-Plätzen und freiem Blick auf den Fluss

* weniger Verkehr in der Stadt, Stellplätze außerhalb mit günstigen Anbindungen direkt in die Stadt, damit z.B. an der Wiener- und Wachauerbrücke die Bewohner am Balkon nicht so viel Lärm und Abgase haben; das führt zu mehr Lebensqualität

♥ Liebe

* ein Verkehrskonzept! Es werden immer mehr Leute (& Autos) nach Krems geholt, aber keiner weiß (stadtplanerisch) wohin mit ihnen

* einen RAD-Tag: ohne Auto in die Arbeit & Lokale und Veranstaltungen in den Stadtpark und an die Donau, mehr BEWEGUNG im Stadtpark

* Jugendprojekte, Haus für Integration und Jugendkultur, attraktiv für alle, ohne politische Einflussnahme, mit sozialer Begleitung

* Kein Hochwasser in Krems

* Mehr Events im Stadtpark (kein Volksfest!) - ein Kaffeehaus im Stadtpark

♥ Love-Sharing auch in Krems (Infos siehe hier)

* Kreativität in dieser schönen Stadt 

* Wir wünschen uns, dass es jeden SO-Nachmittag (von Ende Mai bis Mitte September) so eine geile Stadtpark-Session gibt ♥ am besten mit MOYOme

* Ich lebe in Gattendorf (Burgenland). Und da Krems so eine coole und schöne Stadt ist, wünsche ich mir, dass Krems näher am Burgenland liegt. (Katja, 10)

* Wir wünschen uns wieder so ein Picknick mit Musik

* Mehr Veranstaltungen für Menschen über 25 :-)

* Die Wachaubahn wieder öffnen!

* Konzerte für/von Kindern

Vielen herzlichen Dank für die großartigen Ideen und Wünsche. Ich verspreche, dass ich einige dieser Wünsche zu erfüllen versuche. Dass es ab jetzt mehr Events im Stadtpark geben wird, kann ich bestätigen. Wir sind Stadtpark :-) 

© diekremserin



21.05.2014

kleine Träumereien

An Tagen wie diesen,...

borge ich mir gerne eine Geschichte aus 2010


Peter Krobath, freier Autor und Mitglied der Künstlergruppe Kuserutzky Klan, träumt und ich mit ihm (derstandard, 4. Juli 2010). Ich will zusätzlich Anreiz geben, über unsere Stadt und unser Zusammenleben nachzudenken. Wir sind die Bewohner und Bewohnerinnen, wir benutzen die Stadt, wir leben in ihr und wir machen sie zu dem was sie ist. Deshalb dürfen wir träumen und Teile dieser Träume auch umsetzen:

Als die Autos verschwanden

Tomaten züchten am Schottenring? Hängematten in den Einfallstraßen? Wildschweine zwischen den Ruinen der Shopping City? - Ein spontaner Tagtraum anlässlich der jüngsten Rückholaktion der Autoindustrie.


Als die Autohersteller der Welt alle Autos zurückpfiffen, die fahrenden und die parkenden, die alten stinkenden und die neuen hybriden, begriffen wir allmählich, dass die Stadt zwischen den Häusern uns gehörte, und da und dort und anderswo wuchsen die Wohnräume und Spielplätze und Gärten auf die Straße hinaus.

In der Neustiftgasse spannten wir Wäscheleinen über die Fahrbahn. Am Schottenring zogen wir Tomaten, griffbereit. Auf der Praterstraße legten wir Boccia-Bahnen an. Am Gaudenzdorfer Gürtel bauten wir einen kilometerlangen Skaterinnen-Parcour. In der Berggasse experimentierten wir mit einer Ganzjahres-Rodelbahn und donnerten todestriebig in die Porzellangasse. In der Stumpergasse halfen wir einem Wildbach an die Erdoberfläche. Am Europaplatz managten wir eine Allmende mit zwei Dutzend Ochsen. Am Stillfriedplatz pflanzten wir einen Wald.

Wir gewöhnten uns an, unter den Bäumen der Schüttelstraße und der Hadikgasse eine Siesta abzuhalten. Auf die Linke Wienzeile und auf die Rechte Wienzeile schrieben wir täglich neue Gedichte, die man noch vom fünften Stock aus lesen konnte. Bei schönem Wetter verlegten wir unsere Arbeitsplätze und Esstische und Krankenbetten in die ehemaligen Kurzparkzonen und beobachteten die in den Ampelgehäusen nistenden Kuckucke. Wir entdeckten, dass wir interessante Nachbarinnen haben. Und auf einmal standen Fernsehsessel dort, wo man wirklich in die Ferne sehen konnte, auf der Philadelphiabrücke, auf der Laaer Straße oder am Flötzersteig.

Auf der TU entwickelten wir eine Zusammenphaltmaschine zur Straßenbelag-Entsorgung. Den Dreiradfahrern, den Rollstuhlfahrern und den Fahrradfahrerinnen bauten wir richtige Wege, genauso den Kinderwagen- und den Einkaufswagenschiebern. Für die Solarkarren, mit denen die Bauern der Umgebung ihre Produkte auslieferten, legten wir Transportwege aus Flüsterluft an.

Dann pfiffen die Banken der Welt alles Geld zurück, das echte und das virtuelle, das faule und das parfümierte, und wir regelten unsere Dinge über Gespräche. Endlich lernten wir in allen Sprachen der Stadt zu streiten. In der Julius-Meinl-Gasse stellten wir eine riesige Luftburg auf. Die Tomaten vom Schottenring verwendeten wir nun für den Salat. Zum Nachdenken benutzten wir die frei verfügbaren Hängematten am Esteplatz, in der Pasettistraße, der Herbststraße und der Laxenburger Straße.

An jeder Straßenecke organisierten wir eine Gemeinschaftsküche. In den einstigen Parkgaragen richteten wir grätzlverwaltete Produktionsräume und Fahrradwerkstätten ein. Eine Tankstelle flog in die Luft, weil wir vergessen hatten, warum man dort nicht rauchen durfte. Die Kinder wunderten sich über geerbte Münzsammlungen und Spielzeug-Autos. In schummrigen Keller-Etablissements trafen sich alte Männer zum Formel-I-Schauen.

Die Schulklassen machten regelmäßig Exkursionen nach Vöslau, um die hängenden Gärten und die Wildtiere in den Ruinen der Shopping City Süd zu sehen. Die unvergesslich schönen Schneckenwiesen am Eric-Kandel-Ring zogen zahlreiche Wandertouristen aus den Nachbarländern an. Und dort, wo in unserer Stadt noch ein Mittelstreifen übriggeblieben war, übten kleine Kinder das Seiltanzen. 

Ich freue mich über Beiträge, die sich auf Krems beziehen: was würdest Du tun, wäre die Ringstraße Autofrei? Wie würdest du die Steiner Landstraße gestalten? Hast du Ideen die Stadt Krems kreativ zu verbessern? Auch wenn es nur ein Tagtraum ist, der dir im Kopf herum schwirrt: schreib ihn doch auf. Am Sonntag, 25. Mai, gibt's im Stadtpark die Möglichkeit zum Austausch und deine Wünsche und Träume auf einen "Wish-Tree" zu fädeln. Bestimmt sind einige der Ideen realisierbar!


Auf der Suche nach Gartenkultur

Hannelore & Rudolf lassen Gemüse wachsen

und freuen sich über Mitarbeit

© HAWARUHOF.at

Ich habe vor kurzem vom HAWARUHOF in Gedersdorf erfahren. Eine solidarische Landwirtschaft, die Gemüse und das gemeinsame Pflanzen, Jäten und letztendlich Ernten in den Mittelpunkt ihrer Leidenschaft stellen. 

Momentan spriest und wächst alles - nicht nur Gemüseraritäten wie  Bittersalate, Butterhäuptel, Moosbacher Häuptel, Red Giant, Golden Frills und Asia- und Rukolablüten, Kohlrabi, Jungzwieberl, Freilandspinat, Radieschen, Mairüben und Mangold. Aus dem Lager gibt's noch Zwiebel, Erdäpfel und die letzten Karotten! Live erleben können wir die Gemüsesorten des HAWARUHOFs bei der wöchentlichen Verteilung am Samstag am Täglichen Markt in Krems: 9.00-11.00 Uhr 

Allerdings sind Hannelore & Rudolf über jede helfende Hand dankbar: wer hat Lust im Garten zu buddeln, neue Gemüsesorten kennenzulernen und im Herbst auf ein wunderbares Jahr der Natur zurück zu schauen? Ein Anruf bei Hannelore genügt : +43 650 513 01 81


© HAWARUHOF.at


Sehr spannend sind auch Hannelores Kraut- und Rüben Lichter - sie macht sogar Workshops dazu!

Im Newsletter des HAWARUHOF publizierten die zwei Pflanzen-Affinen ein Gedicht von Josef von Eichendorff, das ich ebenso hier platzieren möchte:

Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Vom ihm nun träumen müsst'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternenklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


20.05.2014

Krems unter freiem Himmel, Teil 2

Nacht der Sinne

Den Duft des Sommers genießen



© diekremserin
Das ganze Wochenende steht im Zeichen der Kultur. Das habe ich heute zufällig erfahren. Denn am 23. Mai findet nicht nur die Kremser Einkaufsnacht statt, bei der Geschäfte und Cafés einladen bis 21 Uhr für uns geöffnet haben. Sondern – ein großer Pluspunkt von mir – kulturelles Programm wird ebenso geboten. Die MOYOme-Mädls hauen sich auf gut Österreichisch ins Zeug und haben gemeinsam mit der VHS Krems den wunderschönen Innenhof ihres Cafés zur Kulturzone erkoren. Architektonisch kommt mir das Bauwerk sowieso wie ein märchenhaftes Stadthaus aus längst vergangener Zeit vor. Für das geeignete Märchen-Feeling brauche ich immer etwas Musik – und natürlich haben Doris und Linda auch dafür gesorgt. Die (Einkaufs-)Nacht der Sinne geht also zusätzlich auf unsere Sinnesorgane ein: gemütlich der Musik lauschen, während wir angenehm kühlen Sekt schlürfen, in einer Augenweide von Innenhof. Herz, was willst du mehr?

Wer sich durch die Landstraße treiben lässt und hie und da ein Geschäft besucht, dies und jenes anprobiert, kommt bestimmt auch in den Genuss mehr über den Modezaren YSL zu erfahren: ein dramatisch-realistisches Biopic des wohl jüngsten und ehrgeizigsten Haute-Couture Designer zeigt das Kino im Kesselhaus mit „Yves Saint Laurent“ ab 21.00 Uhr.



Die Lange Nacht der Kirchen macht auch in Krems halt, sodass ich kurz nach Ende des Films doch noch auf den Geschmack komme zum Pfarrplatz St. Veit zu spazieren: Musikalisches aus 1000 Jahren werden mir da geboten. Nach so einer kurzen Nacht, brauche ich dann noch ein gutes Frühstück, das ich mir samstags ab 9.00 Uhr vom woraczicky Buffet abholen kann.

Eine echte Nacht der Sinne ;-) Übertreibt mir’s aber nicht, denn am Samstag und Sonntag steht auch noch einiges an

Andere Programmpunkte an diesem Wochenende neben der Nacht der Sinne am Wochenende:


Samstag, 24. Mai ab 16.00 Uhr: Benefiz-Fußballspiel im Sepp-Doll-Stadion
Gespielt wird zur Unterstützung des Sozialfonds der Stadt Krems.

Samstag, 24. Mai ab 22.00 Uhr: Punk an der Donau Vol. 2 im Jazzkeller
Fulminantes Line-Up: come as you are and never trust a hippie

Sonntag, 25. Mai ab 9.00 Uhr: Orgel-Frühling in der Pfarrkirche St. Veit
Werke von Friedrich Buxtehude und Jürgen Essl werden zum Besten gegeben.

Sonntag, 25. Mai ab 14.00 Uhr: Krems unter freiem Himmel im Stadtpark beim Pavillon
Kaffee, Kuchen, Kunst und Plauderei: zum guten Zweck in den Stadtpark, denn der Erlös von Coffee to help geht an das Projekt Kinder in Not.


12.05.2014

„If home is where my heart is then I'll be homesick forever"

Große Gedanken 

aus dem musikalischen Tagebuch von Irmie Vesselsky 


Cover "The Key"
© Irmie Vesselsky
Nachdem sich der #Shitstorm rund um die fragwürdige Aussage der Ö3 Moderatorin Elke Lichtenegger zum Glück wieder gelegt hat, finde ich es mehr als angebracht Portraits von Singer und Songwriter aus dem Raum Krems zu präsentieren. Rund um uns leben und arbeiten musikalische und kreative Menschen, die sich von Natur, Landschaft, ihren Mitmenschen und Emotionen inspirieren lassen. Lassen wir uns doch davon anregen das Leben rund um uns zu genießen - brauchen wir wirklich einen #Shitstorm um einen Schritt weiter zu kommen? Müssen dazu einzelne Personen für ihre Aussagen regelrecht angeprangert werden? Ich glaube nicht. Deshalb habe ich mich etwas umgeschaut und eine wunderbare Künstlerin gefunden, die mich berührt. 

Irmie Vesselsky lebt und arbeitet in Niederösterreich, wo sie auch aufgewachsen ist. Das Klavier begleitet sie seit ihrer Kindheit. Gefühlvoll verweben sich in ihren Arbeiten Text, Stimme und Melodie. 


"The Key" ist Irmie Vesselskys 2. Studioalbum und wurde 2013 veröffentlicht. Mit unglaublicher Leichtigkeit erzählt die junge Frau Geschichten, die sich in die Melodie einbetten. Die eigens geschriebenen Texte lassen für uns Zuhörer Interpretationsmöglichkeiten Ende nie offen. Wir dürfen die Augen schließen und uns vorstellen, was sie wohl gemeint hat. Oder was in unsere Köpfe kommt, wenn wir lauschen.


Das Album, mit 9 Lebensgeschichten, die jedem und jeder nahe gehen, kommt mir vor wie die märchenhafte Erzählung vom Zauberer von Oz und Hauptcharakter Dorothee, die in eine fremde Welt kommt, die über das Leben und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft nachdenkt. Oder eine Alice im Wunderland, die abstürzt und ihre gesamte Lebensrealität verliert. Die Geschichten der Irmie Vesselsky geben Anstoss zu träumen und diese Träume auch tatsächlich umzusetzen.


Die Musikerin hat einen ihrer Träume erst vor kurzem umgesetzt, als sie für den Trailer zu Nino Rauchs autobiographischem Buch "Leben ohne Ende: Wie ich als Kind den Krebs bezwang" vor der Kamera stand und in eine neue Rolle - die der Schauspielerin - schlüpfte. Hoffnung ist in den kurzen Aufnahmen zu spüren.

Hoffnung, die Irmie Vesselsky auch in ihrem Album "The Key" vermittelt. Ihre melodisch-lyrischen Melodien versichern mir, dass ein Fünkchen Hoffnung immer lebt. Um damit auf meine Frage der #shitstorms im Web 2.0 zurück zu kommen: haben wir nichts besseres zu tun? Hören wir uns doch lieber gleich Musik an, die uns inspiriert, die uns glücklich macht und die wir mit anderen teilen möchten.

"The Key" ist im Webshop, auf amazon oder iTunes verfügbar.

11.05.2014

Sweet Sweet M.

I wanna stay with you forever

oder wie eine Band zu "Fuck the Atlantic Ocean" kam...



© fuckthealtanticocean.com 
Sweet Sweet Moon besteht aus Streichinstrumenten. In den beiden Vollblutmusikern steckt ein Quäntchen Idealismus. Liebe zur Musik. Liebe zum Detail. Und eine große Liebe zu Fans. 

Nachdem ihr Youtube-Video 2011 in Südamerika einschlug und sich sowohl Chilenen als auch Argentinier und noch viele mehr nichts sehnlicher wünschten als die Band live zu sehen, nahmen sich Sweet Sweet Moon diesen Traum zu Herzen. 2013 tourten sie gemeinsam mit "They Shoot Music Don't They" durch Südamerika und lernten viele unterschiedliche Menschen kennen, die ihre Musik schätzen und lieben. Der Film "Fuck the Atlantic Ocean" entstand aus diesen vielen Wünschen der südamerikanischen Fans: come see us in South America. 
Der Atlantik trennte Sweet Sweet Moon und ihre großen Fans. Sie sagten sich also: Fuck the Atlantic Ocean. Und traten eine Reise an. Eine lange und ereignisreiche Reise, die sie mit ihren Fans zuhause in Europa teilten und nun durch den Film intensiver teilen. Eindrücke, Konzerte und viele Gespräche, die sie mit Menschen geführt haben, sind Teil dieses Films. 

Am 15. Mai sind Sweet Sweet Moon zu Gast im Kino im Kesselhaus, wo ihr Film "Fuck the Atlantic Ocean" präsentiert wird. 



WIN TICKETS!

Gewinn 1 x 2 Tickets für diesen ganz besonderen Abend, an dem die Geschichte weitergesponnen wird. Wie heißt das Lied, mit dem Sweet Sweet Moon im südamerikanischen Raum zu Stars wurden? 

Schick deine Antwort an diekremserin@gmail.com  & freu dich auf einen besonderen Abend im Kino :-) 


09.05.2014

Krems unter freiem Himmel, Teil 1

Offizielle Einladung 

für Kremserinnen und Kremser, für Kulturinteressierte und Menschen, die sich gerne zum Plaudern treffen. 


Der Kremser Stadtpark ist für mich eine Oase. Mitten in der Stadt, zwischen dem 'alten' Viertel rund um die Landstraße und dem 'modernen' Viertel bei Kunsthalle, Wellen.Spiel und Campus Krems gelegen, sitze ich immer wieder auf einer der Wiesen und denke drüber nach, wie wir den Park gemeinsam nutzen könnten. Wie schon angekündigt, habe ich eine Idee, die ich nun auch umsetze!

Verrate mir doch Deine Ideen! 

Am 25. Mai 2014 lade ich gemeinsam mit MOYOme, FELIXKAFFEE, Morgensonne im Lösshof, Afro Chic & SONNENTOR. zum gemütlichen Get-Together im Kremser Stadtpark beim Pavillon ein. Für die musikalische Gestaltung des Nachmittags, der um 14.00 Uhr für uns beginnt, sorgen die CHORyphäen, der Chor des Campus Krems. 

Vergiss deine Picknickdecke nicht, denn zwar werde ich für Sitzmöglichkeiten sorgen, aber bestimmt ist es zwischen Decken und Polstern auf dem Gras sehr gemütlich. 
Neben der Vernetzung untereinander möchte ich diesen Nachmittag unter einen sozialen Nenner bringen: wir spenden für jeden erworbenen Kaffee für die Caritas-Aktion Coffee to help für Kinder in Not

Da ich gerne ungefähr abschätzen möchte, wie viele neue und bekannte Gesichter ich am 25. Mai sehen werde, bitte ich Dich um eine kurze Anmeldung per Email :-) 




07.05.2014

Unter der Stadt

Im Jazzkeller

wo seit Jahrzehnten Musik pulsiert


© diekremserin
Der Jazzkeller ist ein Gemeinschaftsprojekt. Mit einem Augenzwinkern wirft Thomas ein: "Manchmal arbeiten wir auch gegeneinander."

Ich sitze also im Jazzkeller, im Hintergrund donnert der Soundcheck für das heutige Konzert und ich fühle mich in der Zeit zurück versetzt. Dorthin, als ich in Krems zur Schule ging und abends den kommerziellen Bars und Clubs entgehen wollte. Im Jazzkeller, der seit 1969 existiert, wird sehr oft Musik gespielt, die keine Menschenmassen anziehen, sondern jene die alternative Underground-Musik schätzen. Thomas, Berti und eigentlich auch Markus, der sich allerdings nach einem kurzen Hallo hinters Mischpult verzieht, vertreten die inhomogene Gruppe des Vereins für das Interview.


"Es ist immer 5 Uhr Früh"


Wie fasst ihr den Jazzkeller für euch in einem kurzen Satz zusammen?

Berti: Grundsätzlich geht es uns darum eine Alternative zu sein. Nachdem das Avalon (heute Weekend Club) nicht mehr existiert, gibt es in Krems keine Plattform für Konzerte mehr.

Thomas: Der Jazzkeller soll in der Form, wie wir ihn jetzt betreiben hauptsächlich als Plattform für Subkultur und alternative Musik dienen.

Ist das donaufestival für euch als Kooperationspartner interessant? Immerhin bringt das Festival experimentelle Musik, Performance-Kunst und ja, eben Subkultur nach Krems...

Thomas: Wir würden gerne und die würden auch gerne. Aber dadurch das wir momentan nur als Vereinslokal arbeiten können, wäre es problematisch große öffentliche Veranstaltungen zu hosten.

Berti: Es gab eine Kooperation!

Thomas: Stimmt, über zwei oder drei Jahre hinweg fanden Konzerte des donaufestival auch im Jazzkeller statt. Seither veranstalten wir unsere eigene AfterShowParty, unabhängig vom Festival. Die offizielle Zusammenarbeit ist aufgrund verwaltungsrechtlicher Bedenken fürs erste nicht mehr möglich.

Berti: Streitigkeiten und Unklarheiten machen uns momentan das Leben schwer: dadurch dass wir gesetzlich gesehen in einem Vereinslokal sitzen, muss jeder/jede die herein kommt Mitglied werden. Wir dürfen keine Eintritte für die Veranstaltungen einheben, sondern beschränken uns momentan auf einen Mitgliedsbeitrag. Deshalb können wir auch keine großen Acts buchen, wo wir dann 10€ Eintritt verlangen. Wir versuchen momentan uns Alternativen zu überlegen...

Wollt ihr den Jazzkeller nicht als offizielles Lokal umgestalten? 

Thomas: Daran haben wir natürlich gedacht, allerdings gibt es grundlegende räumliche Probleme. Eine Umgestaltung in ein reguläres Lokal wäre finanziell gesehen ein ziemliches Abenteuer für das man vorher intensive Überzeugungsarbeit leisten müsste. In der momentanen Situation in der wir unsere Energien ohnehin schon in eine laufende Auseinandersetzung mit einer Anrainerin stecken müssen und unsere Zukunft auch ungewiss ist, steht ein solches Unternehmen nicht wirklich zur Diskussion.




Der Verein wurde 1968 gegründet, das Vereinslokal kam 1969 hinzu. Seitdem ist der Jazzkeller mehr oder weniger durchgängig in Betrieb.

Thomas: Ja, eigentlich ohne Pausen.

Berti: Stimmt. Da könnten wir uns auf den Arena-Paragraphen stützen... wir sind eine Institution!

Wisst ihr mit welchen Hintergedanken das Vereinslokal damals gegründet worden ist? 

Berti: Es war ein Jazzclub, oder?

Thomas: Im Kremser Stadtarchiv liegt eine wirklich sehr schöne Diplomarbeit auf, die über den Jazzkeller verfasst wurde. Mag. Klaus Bergmaier hat sie geschrieben. In den Gründungszeiten einige junge, jazzbegeisterte Menschen in Krems waren, die nach einer Location gesucht haben und vom damaligen Bürgermeister bzw. der Stadt wurde dieser Keller zur Verfügung gestellt. Es liest sich nach heutigen Maßstäben fast skurril, denn da ging's vorwiegend um Swing und New Orleans Jazz, gar nicht um sehr experimentelle Musik, aber das wurde scheinbar als so progressiv gesehen, dass manche KremserInnen sich aufgeregt haben, dass so etwas "Arges" in der Stadt stattfindet. Der Verein holte dann durchaus ziemliche Größen, auch aus den USA, nach Krems. Irgendwie habe ich auch im Kopf, dass der Jazzkeller zu den ältesten Jazzlokalen in Mitteleuropa gehört. Zwar ist die Location gerade kein reiner Jazz-Spielort mehr, aber es ist dennoch in unserem Sinne den damals mit Jazz verbundenen fortschrittlichen Geist mit anderen, zeitgenössischen Mitteln in die Jetztzeit zu überführen.

Berti: Wobei, seit Markus im Verein tätig ist, versuchen wir wieder mehr Jazz in den Keller zu holen - alle drei Wochen findet eine Jam Session statt, zu denen er meist Jazz-Bands einlädt.

Thomas: Die Jam Sessions sind stilistisch allerdings komplett offen. Aber durch Markus kam eine große Gruppe an jazzbegeisterten Menschen wieder hier her.

Die Leute, die sich engagieren haben also sowohl bei den Jam Sessions - also den Konzert-ähnlichen Events - als auch beim Styleclash - als DJ für eine halbe Stunde auflegen - jeglichen Freiraum?

Thomas: Jeder und jede, der/die in der Lage ist, sich an gesetzliche, technische und physikalische Grenzen zu halten, ist herzlich eingeladen. Stil- oder Geschmacksfragen spielen an diesen Abenden weniger eine Rolle. Das führt dann schon zu lustigen Kombinationen, aber ich mag diesen Moment von Clash und Reibung.

Ihr nehmt euch eure Aufgaben so wie sie euch Spaß machen und passen. Markus ist also für Bookings bei euch zuständig?

Berti: Genau. Eine Zeit lang habe ich diese Aufgabe versucht zu erledigen, aber ich bin einerseits zu chaotisch, andererseits war ich frustriert, weil vieles nicht so funktioniert hat. Markus hat schon im Winter für das kommende Jahr einen Plan im Kopf und setzt ihn dann auch um. Wenn noch Wochenenden frei sind, dann schreibt er alle von uns an, ob wir Ideen für die zu füllenden Lücken haben. Ein anderes Projekt, neben den (fast) wöchentlichen Konzerten, ist Punk an der Donau, das Matthias organisiert. Das war früher eine gängige Veranstaltung im Keller. Wir versuchen jedes Genre abzudecken.


Thomas: Sobald jemand beginnt mitzuarbeiten hat er/sie natürlich auch verstärkt das Recht sich mit kreativer Betätigung einzubringen. Die Musik oder künstlerische Tätigkeit, der dann hier Platz eingeräumt wird sollte allerdings subkulturell relevant sein und - abgesehen von Einsteiger- und Anfängerspielwiesen wie Styleclash und JamSession - mit einer gewissen Kunstfertigkeit ausgeführt werden. Es soll aber prinzipiell jede/r dran kommen, der/die sonst nirgends unterkommt. Und da spricht auch nix dagegen zwischendurch auch mal zu scheitern und daraus für das nächste Mal zu lernen. Wir finden Professionalität natürlich großartig, aber wir legen Wert darauf, dass unser Tun informell genug bleibt, damit niemand abgeschreckt wird.

Hat sich seit das Avalon nicht mehr in Krems existiert, etwas für euch verändert?

Berti: Durch das Ende vom Avalon sind Matthias, Max und ich erst richtig in den Keller gekommen. Das Avalon Exil wurde geschlossen, also wurde der Jazzkeller unser neues Exil...

Thomas: Jetzt bin ich ein bisschen enttäuscht, Berti... (grinst)

Berti: Für mich war das schon eine Art Wendepunkt, immerhin gab es dann ja außer dem Jazzkeller kein Lokal mehr mit einer Konzertbühne. Es sind bestimmt auch einige Leute dann hier her gestoßen...



Ich habe mit einigen Menschen gesprochen, die quasi ihre Jugend hier verbracht haben. Heute Mittdreißiger, die mich fragen: was tut sich denn da, im Jazzkeller? Gibt's den noch? 

Berti: Ja, das haben wir erst vor kurzem entdeckt, als der Jazzkeller bei einem Konzert bumvoll war, der genau diese Zielgruppe angesprochen hat.

Thomas: Die haben das Konzert als Anstoß genommen nach 10, 15 Jahren wieder einmal hereinzuschauen und Leute zu treffen, die sie lange nicht gesehen haben. Das war ein großer Erfolg! Ich zum Beispiel war das erste Mal mit der Schule, mit dem BORG, hier. Wir haben uns ein Theaterstück angeschaut. Das war mein erster Kontakt mit dem Jazzkeller.

Der Jazzkeller ist eine fixe Größe in der Kremser Ausgehlandschaft. Seit dem Ende des Avalon Exil im Stadtgraben, die sich aufgrund einer fehlenden Location für alternative Musik an den Jazzkeller hielten. Mit dem Auftreten der Person Markus, der das Projekt Jazzkeller sehr ernst nimmt und viele Veranstaltungen für das Vereinslokal organisiert. Zu 'Markus, der Held' stilisieren ihn seine beiden Kollegen Thomas und Berti, als er in Abwesenheit glänzt um Mitgliedsbeiträge für das Konzert einzuheben, das später am Abend stattfindet. Die Jungs und Mädels, oder besser Männer und Frauen, die sich um den Verein kümmern, haben Spaß daran hier ehrenamtlich zu arbeiten, Krems ein alternatives Gesicht zu geben und selbst musikalisch Einfluss auf die Crowd zu haben.




Das volle Programm des Jazzkellers ist hier abrufbar.
Die Soundcloud des Jazzkellers zum Reinhören.

Vielen Dank an die inhomogene Crew des Jazzkellers für das spannende Interview. Die Musikvideos sind exemplarisch von der Crew ausgewählt worden und zeigen die Vielfalt der subkulturellen Musik, der sich der Jazzkeller annimmt. Interviewpartner waren Thomas, Markus und Berti, die ehrenamtlich im Jazzkeller arbeiten. 


02.05.2014

Trau dich!

Spring über deinen Schatten

und sei Teil von Partycja German's Projekt


Zugegeben, ich bin nicht unbedingt schreckhaft.
Die Performance-Künstlerin Patrycja German allerdings schreckt nicht vor Tabus zurück, die
An meiner Seite nur eine Weile
© Patrycja German
gebrochen werden müssen. So auch am donaufestival in Krems, heute 2. Mai von 17.00 bis 19.30 und 20.00 bis 23.00 Uhr wartet im Umkreis des Festivalgeländes eine schwarze Limousine. Face-to-Face trifft man sich mit Patrycja German und...

- ja und was?
Der weibliche Körper und die Kunstgeschichte haben eine lange Tradition. Die Frau, die als Muse, als Modell, als Inspiration dient. Die Frau, die hinter der Künstlerpersönlichkeit steht, die ihn managt, die ihn hegt und pflegt. Der Körper der Frau, der gemalt, studiert und dann der betrachtenden Meute ausgeliefert wird.

Patrycja German geht mit ihren oft radikalen Performances auf die Problematik rund um den weiblichen Körper ein. Wie? Sie lässt sich nackt im öffentlichen Raum von Männern tragen. Bis sie nicht mehr können, bis die Künstlerin zu schwer ist und die Männer aufgeben müssen. Oder sie spielt mit Pheromonen in "Lustgewinnung / Lustvermeidung":

© Patrycja German

Dabei geht es der Künstlerin nicht nur um die Sichtbarmachung des Körpers, sondern IHRER Person. Sie steht bei den Performances im Mittelpunkt und bedient sich fixer Maßeinheiten unseres Lebens: Größe, Geschlecht, Gewicht und Kraft.

Traue ich mich?


Diese Frage stelle ich mir jetzt, bevor ich zum Gelände gehe und nach der Limousine Ausschau halte. Werde ich mich hineinsetzen und einer fremden Person gegenüber sitzen wollen? Wie wird sie sein? Wie wird sie aussehen? Was hat sie an? Hat sie überhaupt etwas an?
Es geht nicht nur um das Risiko. Es geht auch darum etwas vermeintlich verbotenes zu machen. 'Steig nicht in fremder Leute Autos.', habe ich nicht nur einmal in meiner Kindheit gehört. Was wird passieren? Zusätzlich nimmt Patrycja German in der Performance 'Special Guest (Für alle aber nicht jeden)' die Position einer Prostituierten ein - oder wird der Betrachter zur Prostituierten? Wer wartet auf wen? Und wer wird eingeladen?

Wenn Patrycja German diese vielen Fragen in meinem Kopf auslöst, stimmt die Richtung des Projekts. Gedanken, die uns alle und unsere Gesellschaft betreffen. Sie übt bestimmt, aber dennoch subtil Kritik. An uns und unseren Grenzen.

Vielleicht steige ich in die Limousine. 
Vielleicht traue ich mich.


Termine

Fr, 02.05. 17:00-19:30 20:00-23:00
Sa, 03.05. 15:00-19:00 20:00-23:00

Performance für jeweils eine Person
Dauer ca. 15 Minuten
Uraufführung

„Die Themen meiner Arbeiten basieren auf einfachen Beobachtungen und Erfahrungen des täglichen Lebens. Dabei frage ich mich, ob sie etwas über Banalität, die Bedingungen des Alltäglichen verraten. Es sind einfache, bewusst ausgeführte Handlungen. Ich vertraue grenzenlos dem Publikum, seiner Beobachtungsgabe und seiner Fähigkeit, Zugang zu seinen Erfahrungen zu finden, zum kollektiven Unbewussten. Dabei will ich nicht belehren, sondern möchte Situationen schaffen, in denen der Betrachter einen Ausweg hat und mehr als eine einzige Interpretation möglich ist.“
(Patrycja German)

Patrycja German online


01.05.2014

Arbeitstag am Tag der Arbeit

Fokus Bangladesch: wo unsere Kleidung herkommt

"The Hands that sew your Shirt" im Kino im Kesselhaus


Sabina aus Siro Biro erzählt im Film "The Hands that sew your Shirt" von ihrer Arbeit, ihrem Leben in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch und der Liebe zu ihrer Familie. Dieses filmische Dokument unserer globalisierten Welt wird am Mittwoch, 7. Mai, 19.00 Uhr im Kino im Kesselhaus gezeigt
und im Folgenden mit CARE-Regisseur Thomas Haunschmid besprochen. 

© CARE Österreich
Die Organisation CARE bespricht mit dem Film keineswegs ein Einzelschicksal. Über 20 Millionen Bengalen, vorwiegend Frauen und deren Familien, sind von der Textilindustrie abhängig. Wir kaufen diese T-Shirts, die Mädchen wie Sabina für uns produzieren - zu einem Spot-Preis. Eins, zwei, drei - meins: für 4,99 gibt's ein neues Shirt in unserer Auswahl.  Die europäische Union ist Handelspartner Nummer 1.  Sabina selbst kann an einem Nähkurs teilnehmen, der ihr durch CARE ermöglicht wurde: "Als Hilfsarbeiterin verdiene ich 2.500 bis 3.000 Taka im Monat. Das sind rund 25 bis 30 Euro. Als Näherin bekomme ich 4.500 Taka, also ungefähr 45 Euro. Damit kann ich meine Familie viel besser unterstützen!"

Zu betrachten ist der Film vor dem Hintergrund der bekannten Ereignisse aus dem letzten Jahr:
Ich erinnere mich an erschreckende Bilder in den Medien von 2013: das Rana-Plaza-Gebäude stürzte am 24. April 2013 ein, während sich ca. 3000 ArbeiterInnen in der Fabrik aufhielten. Heute wissen wir den Grund, der hunderte Todesopfer gefordert hat: keine Naturkatastrophe, sondern grobe Fahrlässigkeit. Dass die Menschen aus der Textilbranche in und um Dhaka auf die Straße gehen und für ihre Rechte eintreten, ist nicht nur verständlich sondern gerechtfertigt. 

Nach dem Unfall wurde in Bangladesch erstmals gesetzlicher Mindestlohn für die ArbeiterInnen in den Textilfabriken erreicht. Dieser Sieg steht im krassen Kontrast zu den Möglichkeiten der Fabriksbetreiber: 
© CARE Österreich
"Die Kunden weigern sich mehr zu zahlen; nicht einmal 5 oder 10 Cent.", sagt Shohag, Betreiber einer Textilfabrik in Denier, Bangladesch, im ARD-Interview vom 24. April 2014. Die Verhandlungen mit westlichen Firmen laufen immer wieder auf Drohungen jener hinaus, einfach einen günstigere Partnerfabrik -z.B. in China- zu finden. Dort stimmt allerdings die Qualität nicht und die westlichen Firmen würden nach einem Jahr wieder zurückkommen: Shohag gibt selbst zu, dass seine Fabrik solch einen Verlust finanziell nicht überstehen würde.





"The Hands that sew your Shirt" baut nicht auf Mitleid und Schrecken auf, sondern bildet unser Bewusstsein welchen Lebensweg ein junges Mädchen in Bangladesch einschlägt, um ihre Familie und sich selbst zu ernähren. Außerdem setzt Thomas Haunschmid auf die Beobachtung des alltäglichen Lebens von Sabina und ihre täglichen Wege, ihre Eindrücke und ihre Freude mit anderen Frauen solidarisch einen Weg zur Besserung ihrer Situation zu erkämpfen. Durch Bildung, durch Freundschaft und durch das Wissen, dass Veränderung durch globale Transparenz möglich ist.

Für die Veranstaltung am Mittwoch, 7. Mai ab 19.00 verlose ich 1x2 Tickets. 
Der oder die erste, die sich via Email bei mir meldet, gewinnt zwei Eintrittskarten zum Film und anschließendem Gespräch mit Thomas Haunschmid. 

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